22.9.2010 - Aus für OpenSource in Solothurn

Wie Heise.de berichtet, werden in der Solothurner Kantonsverwaltung alle Linux-PC’s auf Windows 7 umgestellt.Die Gründe für das Scheitern waren offenbar:

  • 10% der Kantonsmitarbeiter waren mit Linux grundsätzlich unzufrieden, weitere 10 Prozent teilweise unzufrieden, 80% zufrieden. Die ca.200 teilweise oder völlig unzufriedenen Mitarbeiter machten sich aber offenbar recht sicht- und hörbar Luft,

  • Man wollte nicht nur das Betriebssystem, sondern auch verschiedene Anwendungsprogramme wie Datenbanken und Exchange auf OpenSource-Pendants migrieren. Dazu musste man teils jahrzehntealte Datenbestände au Linux portieren, was nicht ohne Schwierigkeiten abgehen konnte. “Wieder Ärger mit dem Pinguin” wurde zum geflügelten Wort. Jetzt kurz bevor die Millionenteure Migration beendet ist, beschloss der Kanton die Kehrtwende und inverstiert weitere Millionen für den Rückmarsch zu Windows.

Können wir aus dieser Geschichte etwas lernen?

Es gibt immer einen Teil der Mitarbeiter, die einem Systemwechsel grundsätzlich kritisch gegenüberstehen. Diese muss man mit möglichst “sanfter” Migration auffangen. War es wirklich nötig, gleich alles zu wechseln?

Linux ist nicht das ideale Betriebssystem für den Desktop. Die Mitarbeiter sind fast alle von zuhause Windows gewohnt und manchen fällt die Umstellung schwer. Dagegen ist Linux ganz klar das geeignete Server-Betriebssystem. Man hätte die Clients erst mal auf Windows lassen können, und nach und nach Office durch OpenOffice, Outlook durch eine OpenSource-Groupware aber unter Windows! ersetzen können.

Also, falls Sie Ihre Praxis oder Firma auf OpenSource umstellen wollen: Ändern Sie nicht gleich alles. Lassen Sie den Angestellten ihren Windows-Desktop und ersetzen Sie erst mal “unter der Haube” soviel Sie können gegen OpenSource. Fangen Sie dann mit einem Anwendungsprogramm an, von dem es bestimmt kein Microsoft-Pendant gibt. So entfallen Umstellungsprobleme zwischen Zuhause und Arbeitsplatz. Gehen Sie dann Schrittweise vor. Der Linux-Arbeitsplatz-PC ist wenn überhaupt der letzte Schritt der Umstellung.

13.6.2008 - Pseudosecurity

Jeder hat sie: Die Personal Firewalls, Internet Shields usw. Lustigerweise hat man sie gar nicht zwischen LAN und WAN, wo sie eigentlich hingehören würden, sondern auf jeder Arbeitsstation einzeln. Mit dem Ergebnis, dass sie vor allem den LAN-Verkehr im eigenen Netzwerk stören. Jedesmal, wenn sie eine ihrer Warnungen aufpoppen, klickt man sie unbesehen weg, weil man ja weiss, dass diese Warnungen meist nur vor einem harmlosen Verbindungsversuch harmloser Software im eigenen Netz warnen. Womit der Nutzen des ganzen Security-Zeugs dann gegen null tendiert.

Eigentlich ist es ja einfach:

  • Das grösste Sicherheitsrisiko befindet sich zwischen Stuhllehne und Tastatur.

  • Eine Firewall gehört zwischen LAN und WAN und darf sich nicht auf einer Arbeitsstation befinden, sondern auf einem dafür reservierten Gerät. Ob das jetzt ein alter PC oder eine “Hardware-Firewall” ist, ist egal.

  • Die Firewall muss sämtliche Ports ausser den benötigten blockieren.

  • Betriebssysteme und Web-Browser aller PC’s im Netz müssen immer auf dem neuesten Stand sein.

  • Viren kommen nicht per Tröpfcheninfektion in den PC, sondern weil der Anwender einen malignen Link angeklickt oder ein malignes E-Mail-Attachment ausgeführt hat.

  • Computerviren sind Programme. Sie sind nur aktiv, wenn sie gestartet werden. Ein auf der Harddisk liegendes Virus ist harmlos, solange es niemand startet (und sofern es nicht automatisch vom Betriebssystem gestartet wird)

  • Ein Virenscanner ist eine Systembremse und kann aus grundsätzlichen Gründen keine hundertprozentige Sicherheit bieten.

  • Eine Personal Firewall ist Placebo-Software und wirkt nur, wenn sowohl der Anwender, als auch der Computer, als auch der Virenschreiber daran glauben, dass sie wirkt.

  • Ein Virenscanner auf dem Server ist entbehrlich, sofern man nicht am Server arbeitet. (Preisfrage: Auf welche Weise könnte ein Virus auf dem Server gestartet werden?) Ausnahme: Der Server dient auch als Mailserver oder Zwischenlager für Mails und kann so diese und deren Anhänge auf Viren testen.

  • Ein Virenscanner auf den Arbeitsstationen ist eigentlich auch entbehrlich, wenn man sich entsprechend umsichtig verhält. Aber das soll jetzt keine offizielle Empfehlung sein. Ich hatte jedenfalls noch nie einen Virenscanner auf dem Computer. Allerdings scanne ich alle Arbeitsstationen ab und zu mit einem von CD gestarteten externen Scanner (Knoppicillin). Bisher wurde er noch nie fündig.